3 Schläfli-Villa, Dorfstrasse 2

Niklaus Brotschi, Leutnant und Bauleiter des 1836 bis 1840 errichteten Schulhauses, liess sich Anfang der 1840er Jahre auf noch unbebautem Terrain ein vornehmes Haus errichten. Die Liegenschaft wechselte danach in kurzer Folge zweimal den Besitzer: 1851 kaufte Urs von Burg und 1858 Adolf Schiessle das Haus. 1875 ging die Liegenschaft an Anton Greder über, der 1865 in Selzach eine Uhrmacherwerkstätte gegründet und 1870 zu einer Uhrenfabrik vergrössert hatte. Nach dem Tod Anton Greders im Jahr 1889 gelangte das Haus an seinen Neffen Adolf Schläfli, der es bis zu seinem Tod 1924 mit seiner Frau Julia Schläfli bewohnte.


1879 hatte Adolf Schläfli in Selzach bereits auch die Uhrenfabrik seines Onkels übernommen, die 1918 in den Besitz der Schild AG in Grenchen überging. Nicht nur als Besitzer der Uhrenfabrik, sondern auch als Initiant der Passionsspiele in Selzach, als Kantonsrat und Ammann war Adolf Schläfli für das Dorf Selzach in verschiedener Hinsicht eine prägende Figur (siehe auch Passionsspielhaus).

Von der Villa zur Waisenanstalt
Adolf Schläfli legte seinem 1920 verfassten Testament eine Stiftungsurkunde bei, welche die Einrichtung einer «Solothurnischen Waisenanstalt Schläflistiftung» vorsah mit dem jeweiligen Vorsteher des Finanz-Departementes des Kantons Solothurn als Willensvollstrecker.

 

Nach dem Tod Adolf Schläflis 1924 wurde deshalb in der bis heute nach ihm benannten Villa eine Waisenanstalt eingerichtet und mit baulichen Massnahmen seiner neuen Funktion entsprechend umgestaltet. 1932/33 entstand auf der Ostseite ein Anbau, der einen Ess- und Spielsaal mit darüber liegender Terrasse aufnahm. Um 1950 kamen im Norden ein Garagenanbau und im Westen ein weiterer Anbau hinzu, dem im Zuge einer gleichzeitigen Strassenkorrektur das unmittelbar östlich gelegene Haus Nr. 16 weichen musste. Dieser ursprünglich als Scheune errichtete Bau diente zuletzt als Landjägerposten. 1982 wurde die Waisenanstalt aufgehoben und die sogenannte Schläfli-Villa ging in den Besitz des Kantons Solothurn über.


Ein vornehmes Wohnhaus
Der elegante repräsentative Bau entspricht in seiner schlichten Formgebung dem damaligen Zeitgeschmack des Biedermeier. Der zweigeschossige Baukörper unter Walmdach besitzt auf beiden Schmalseiten jüngere Anbauten.
Die strassenseitige Längsfassade zeigt einen nur leicht vorspringenden Mittelrisaliten, der mit einer zweiarmigen Treppe zum Hausportal, einem Balkon und einem Dreieckgiebel die Mittelachse des Hauses betont. Wie alte fotografische Aufnahmen zeigen, war dieser Hausteil bis 1950 zusätzlich durch rundbogige Fensteröffnungen und Kragbalken in der Giebelpartie akzentuiert. Die unauffällige Instrumentierung der Fassaden erfolgt mittels regelmässiger Fensterreihen, schmalen Ecklisenen sowie umlaufenden Gesimsbändern zwischen den Geschossen und unterhalb der Dachtraufe.

 

Im Innern des Hauses dürfte die primäre Grundrissstruktur noch ursprünglich sein. Sie besteht aus einem im Norden in der Mitte des Hauses liegenden Treppenhaus, das auf zwei Geschossen einen in Ost-West-Richtung verlaufenden Korridor erschliesst, der zu Zimmern sowohl im Süden als auch im Norden führt. Die bauzeitliche Innenausstattung ist dagegen vollständig verloren.